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Liebe Freunde, liebe Kunden,

 

„Iʼm crying please – please, let us be friends /

And when you hear me howlinʼ in my passway, rider /

Please open your door and let me in.“

 

Der Song von Robert Johnson ist gewaltig, ich kann es nicht anders sagen. Die Bildkraft seiner Worte verstärkt sich noch im eindringlichen, klagenden Gesang, im harten, vielstimmigen Gitarrenspiel, in der fordernden, anschwellenden Lautstärke des Songs. Der Magie dieser Musik kann man sich nicht entziehen. Also einfach den CD- oder Plattenspieler laufen lassen – wie bei unseren Empfehlungen, egal, ob der Nachbar schon langsam wahnsinnig wird.

 

Und hier sind unsere Empfehlungen dazu:

 

ALL THEM WITCHES – NOTHING AS THE IDEAL   LP/CD

Ein verlockendes Fest für die psychedelische Sinne. Egal, ob es sich um Pot-Addled-Bartos handelt, die sich am Altar des Schwarzen Sabbats versammeln, oder um Kevin Parkers neueste Tame Impala-Ableger in Westaustralien, alle haben lassen kräftig den Freak in sich heraushängen. Aber All Them Witches mit Sitz in Nashville – jedoch völlig entfernt von der zeitgenössischen ,ländlichenʻ Nashville-Szene – flippen mit mehr Kraft und Originalität aus als die meisten anderen. Auf ihrem Album von 2018 schienen sie auf die Erde zurückzufallen. Das war in Ordnung, aber ein wenig lauwarm für all jene, die von den jenseitigen Freuden der früheren Platten begeistert waren (insbesondere vom grenzüberschreitenden „Sleeping Through The War“ im Jahr davor).  Vielleicht brauchten sie deshalb einen Szenenwechsel, wie der durchschlagende Erfolg von „Nothing As The Ideal“ bereits zeigt.

 

All Them Witches - Rats In Ruin

All Them Witches - See You Next Fall

 

Various – LATIN UNDERGROUND REVOLUTION VOL. 2   3x 7

Rocafort Records sind zurück mit einem zweiten Band unentdeckter oder vergessener lateinamerikanischer Juwelen aus New York City. Die Nummern stamment aus den Jahren 1968-1972.  Olivieris Los Muchachos De Belen swingt wirklich, Trompeten flackern über die Veränderungen, während der sanfte Gesang einen überflutet und der Latin-Beat die Hüften in Bewegung bringt. Im Gegensatz dazu ist „Thereʼs No Other Girl“, diese wunderschöne Soul-Ballade über einem Latin-Shuffle, voller Emotionen und gezuckert mit Hintergrundgesang.  Ozzie Torrens „Boogaloos“ sind beides Juwelen, voller Vibes-Melodien, die im Fall von „Miaʼs Boogaloo“ zu einer echten Dancefloor-Demonstration mit fantastischen Trommeln und einem Trompetensolo, das bis in die Stratosphäre reicht. „Boogaloo in Apt. 41“ ist hingegen eine ruhige Partie, aber nicht weniger funky. „Ha Llegado El Momento“ bietet etwas anderes mit einer kubanischen Rumba auf der Speisekarte, die voller wirbelnder Posaunen ist, während „Guaguanco Tropical“ mit Klavier und Schlagzeug vorwärts tanzt.

 

Los Muchachos De Belen - Orquesta Olivier

Ha Llegado El Momento - Brooklyn Sounds

 

FONTAINES D.C. – A HEROʼS DEATH   LP/CD

Fontaines D.C. besteht darauf, dass „A Hero’s Death“ nicht nur Teil zwei ihres phänomenalen Debütalbums „Dogrel“ (2019) ist und die Band „niemandem gehört“ („I Donʼt Belong“, wie der erste Track heißt). Doch die meisten Hauptmerkmale von Fontaines tauchen wieder auf: die Fähigkeit dieses jungen Dubliner Outfits, vertrauten Post-Punk-Boden zu überarbeiten, aber mit einer ganz eigenen Dringlichkeit; und die sardonischen irischen Töne von Grian Chatten, dessen betroffene Leere Bände spricht.  Die Stadt Dublin spielt bei „A Hero’s Death“ eine geringere Rolle als beim Vörgängeralbum, obwohl die Wurzeln der Band bestehen bleiben – man schaue nur, wie der keltische Krieger Cúchulainn auf dem Cover nickt. Der Titeltrack spielt mit Klischees und dem Frontman als Seher. Chatten trägt taumelnd sich wiederholende Binsenweisheiten vor sich her, scheinbar mit Spott, aber Aufrichtigkeit kommt nie in Frage. Die Band unterstützt ihn mit verspielten „Ba-Ba-Ba“-Harmonien, als Hommage an US-Tourneen und kalifornische Aufnahmesessions. Das Tracklisting enthält weiters galvanische Moshpit-Hymnen – „Televised Mind“ oder „I Was Not Born“ mit seinem „Refusenik Velvet Underground Pummeling“ - und nuanciertere Songs. Die Schlussnummer „No“ nähert sich dem Mainstream-Balladenstil, auch wenn sie die Nachteile der Sensibilität mit Beredsamkeit analysiert.

 

Fontaines D.C. - A Hero's Death

Fontaines D.C. - I Don't Belong

 

BOB MOULD – BLUE HEARTS   LP/CD

,Blue Heartsʻ ist eine Geschichte aus zwei Zeiten: der Vergangenheit und der Gegenwart“, sagte Bob Mould in einem Interview. „Die Parallelen zwischen 1984 und 2020 sind für mich ein bisschen beängstigend: telegene, charismatische Führer, die von extremen Evangelikalen gelobt und gestützt werden und entweder eine Epidemie (HIV/AIDS) ignorieren oder eine Pandemie (Covid-19) völlig herunterspielen.“ Das Album ist eine krasse Kehrtwende zu Moulds letzter, fast optimistisch klingender Platte „Sunshine Rock“ von 2019, obwohl er in ihr „die eingängigste Menge von Protestliedern, die ich je in einer Sitzung geschrieben habe“ sah. „Blue Hearts“ schrieb der einstige Hüsker Dü-Frontman in einem Zeitraum von nur drei Tagen. Es ist inspiriert von der Wut, die er für das empfindet, was er jetzt in seinem Land sieht. Die Parallelen zwischen der Hüsker Dü-Zeit und heute haben ihn zu einer extrovertierten, klaren Aussage genötigt. Die Platte, die jede Kompromisse von sich weist, wurde in Chicago mit dem Ingenieur Beau Sorenson, der häufig mit Mould zusammengearbeitet hatte, und seiner langjährigen Band, dem Bassisten Jason Narducy und dem Schlagzeuger Jon Wurster, eingespielt. Also Achtung: Wenn Sie diese Meisterwerk am falschen Ort hören, wird es Ihnen um die Ohren fliegen! 

 

Bob Mould - American Crisis

Bob Mould - Forecast Of Rain

 

THURSTON MOORE – BY THE FIRE   LP/CD

„By The Fire“, sein siebtes Soloalbum, beschreibt Thurston Moore als „eine Ode an das Narkotikum der Liebe in unserer gemeinsamen Verantwortung untereinander während der Isolation“. Moore arbeitet hierauf wieder mit seinen Backing-Band-Mitarbeitern Deb Googe von My Bloody Valentine (Bass und Backing-Gesang), Jon Leidecker aka ,Wobblyʻ aus Negativland (Elektronik), James Sedwards (Gitarre) und Steve Shelley von Sonic Youth zusammen, der mit Jem Doulton am Schlagzeug wechselt. „,By The Fireʻ ist Musik in Flammen, 2020 ist unsere Zeit für radikale Veränderungen und kollektives Bewusstsein.“ Thurston Moore hat neun Lieder der Erleuchtung geschrieben, die für eine brennende Welt veröffentlicht wurden.  „In Anlehnung an Albert Aylers ,Music Is The Healing Force Of The Universeʻ bietet diese Aufnahme Songs als Flammen der Regenbogenenergie, in denen die Kraft der Liebe zu unserem Ruf wird. Dies sind Liebeslieder in einer Zeit, in der Kreativität unsere Würde ist. Unsere Demonstration gegen die Kräfte der Unterdrückung. „By The Fire“ ist eine Versammlung des Friedens – Lieder in der Hitze des Augenblicks.

 

Thurston Moore - Cantaloupe

Thurston Moore - Hashish

 

ARTHUR BROWN – CHISHOLM IN MY BOSOM   LP

Zwei Jahre nach dem düsteren „Dance“-Album tauchte Arthur Brown 1977 wieder auf, was nach aller Vorwarnung seine lang erwartete Rückkehr zum Ruhm beweisen würde – und ein Wiedersehen mit dem ehemaligen Verbündeten der Crazy World, Vincent Crane. „Chisholm in My Bosom“ war jedoch kaum mehr als eine evangelische Runderneuerung seines enttäuschenden Vorgängers, während Crane selbst nur auf einer Spur zu erleben war. Das vollständige Wiedersehen lag noch zwei Jahre vor uns und ein ganz anderes Album entfernt. Hoffentlich hat man „Chisholm in My Bosom“ auf der Suche nach Aufregung durchsucht und es in einer großartigen Version von „Ich habe dich verzaubert“ gefunden. Aber natürlich hatte Brown bereits ein Jahrzehnt zuvor beim Debüt „Crazy World“ die endgültige Lesung dieser Nummer durchgeführt, und während „Monkey Walk“ und „Chisholm in My Bosom“ selbst weitere Hörproben lohnen würden, ist das Album selbst in fast jeder Plattensammlung, die es beherbergt, nicht nur nicht gespielt, sondern zumeist auch vergessen.

 

Arthur Brown - I Put A Spell On You

Arthur Brown - Devil's Grip On Me

 

JOHN BENCE – KILL   LP/CD

John Bence, Komponist und Produzent aus Bristol, setzt sich mit episch-knarrativen Themen und kompromisslosen Klängen mit einem ruckelnden, emotionalen Schlag durch seine Arbeit auseinander. Bences viszerales Magnum Opus „Kill“ wurde während eines Aufenthalts in Zaragozas FUGAspace geschrieben und entfaltet sich als fesselnde wie auch nervende dreiteilige Suite, die, wie Bence erklärt, „die Geschichte eines Amurderers erzählt, der seinen Geliebten tötet, Selbstmord begeht und dann beschleunigt, um Gott zu beurteilen“. Seine elegischen Werke beschäftigen sich mit einer alles fressenden Klangwelt, die Elemente britischer Avantgarde und elektronischer Musik, klassischer Tradition und heiliger Mittelalterlieder in höhlenartige Grabkompositionen aufnimmt.

 

John Bence - Kill

John Bence - Alone/Suicide

 

BETTYE LAVETTE – BLACKBIRDS   LP/CD

Die weise Intuition und das emotionale Engagement von Bettye LaVettes Ausdrucksfähigkeiten finden in „Blackbirds“, einer Sammlung von Liedern,  die hauptsächlich mit schwarzen Frauen in Verbindung gebracht werden (von Billie Holiday bis Nina Simone), einen idealen Rahmen. Unterstützt von einem Quartett, zu dem der Produzent und Schlagzeuger Steve Jordan, der Keyboarder Leon Pendarvis, der Gitarrist Smokey Hormel und der Bassist Tom Barney gehören, verstärkt LaVettes übliche Transformation des Ausgangsmaterials jene Gefühle von Verlassenheit, Sehnsucht oder sogar pure Brutalität, wie beim beklemmenden „Strange Fruit“. LaVettes Schwierigkeiten im Musikgeschäft waren vielfältig und wirkungsvoll. Ihre Talente blieben über viele Jahrzehnte ungewürdigt, bis sie in diesem Jahrhundert wieder auflebte und ihren Zuhörern ebenso Erfüllung wie Freude und Ehrfurcht zu bringen schien. Alles in allem ist „Blackbirds“ eines der besten Alben von Bettye LaVette, eine fantastisch ausgewählte, hochkarätige Songsammlung von pochendem Herzen und tiefer Seele.

Bettye LaVette - Strange Fruit

Bettye LaVette - I Hold No Grudge

 

 

… und das gefällt uns auch noch

Martin Klein – Nachtlieder   LP

L7 – Smell The Magic  LP

Tobi Sprout – Empty Horses  LP/CD

Mondo Generator – Cocaine Rodeo LP

Christian Scott – Sfrefch Music - LP

1782 / Acid Mammoth – Doom Sessions Vol. 2   LP/CD

Will Butler – Generations   LP/CD

The Casting Out – !!! (Electric Blue / Oxblood)   LP

Deradoorian – Find The Sun   LP

Tashi Dorji – Stateless   LP

Vibravoid ‎– Mushroom Mantras   2 LP

A. (Slctd By DJ Yoshizawa Dynamite & Chintam) Wamono A To Z Vol. I – Japanese Jazz Funk & Rare Groove 1968-1980 LP

Spycats – Nuff Said   12”

The Velvet Swing – Donʼt Get Lost   CD

Son Of A Witch ‎– Commanded By Cosmic Forces   LP

Tom Misch & Yussef Dayes ‎– What Kinda Music   2 LP

 

… dazu noch Konzertempfehlungen für die nächsten zwei Wochen:

 

Sa., 19. 09.                 Iʼm A Sloth / Lion Season (A)

                                   Chelsea, Wien, 8., U-Bahnbögen 29-30

 

So., 20. 09.                Ozzborn at Arena Beisl Open Air (A)

                                   Arena, Wien, 3., Baumgasse 80

 

Di., 22. 09.                  Harri Stojka & Roma Musik Ensemble (A)

                                   Porgy & Bess, Wien, 1., Riemergasse 11

 

Fr., 25. 09.                  Kings Without Crowns / Dealers Choice (A)

                                   Chelsea, Wien, 8., U-Bahnbögen 29-30

 

Sa., 26. 09.                 Record Store Street Days

                                   Rave Up Records, Wien, 6., Hofmühlgasse 1

 

Buchtipp:                  Rainer Krispel / Mario Lang – Musikarbeiter unterwegs

 

YouTube-Tipp: MUSIKARBEITER UNTERWEGS - Review(chen) Revue September 2020

 

 

 

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