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Liebe Freundinnen und Freunde und Music Lover, werte Stammkundschaft,  

 

1968 – Studentenbewegung, Summer of Love, Flower-Power, die Beatles, die Stones, Sex, Drugs & Rock’n’Roll, die sexuelle Revolution. Die Jugend der westlichen Welt rebellierte gegen die spießige Gesellschaftsordnung ihrer Elterngeneration. Die politischen und mehr noch popkulturellen Umwälzungen machten auch vor dem „heiligen Land Tirol“ nicht halt. So waren selbstverständlich bald auch in Innsbrucks Plattenläden, wie etwa dem am Sparkassenplatz gelegenen Tarfusser, stets die Neuerscheinungen der angesagten Rockbands erhältlich und motivierten junge Leute dazu, selbst zur E-Gitarre, Keybords oder Schlagzeug zu greifen. Vor allem das Genre Prog Rock à la Emerson, Lake & Palmer, Genesis, King Crimson oder Yes fand hierzulande starken Widerhall. Zwei Bands ragen aus diesen musikalischen Aufbruchsjahren heraus: Isaiah aus Innsbruck und Klockwerk Orange aus Landeck/Zams. Aber auch den ambitionierten Musikern von Fennymore gefiel die Verbindung von amerikanischem Rock und europäischen Traditionen, zumal man mit „Wak“ Weiler einen klassisch ausgebildeten Organisten in der Band hatte. Einer ihrer ersten Songs war „The Piper“ (eigentlich Introduction“) nach einem Text von William Blake. Die Geburtsstunde von Fennymore war der 27. November 1976, als sich die Musiker von drei damals in Tirol aktiven Bands zu einer „Session“ im Rathaussaal Telfs zusammenfanden. Im Frühjahr 1977 fragte Klaus Egger dann Hannes Sprenger, ob er Lust hätte, als Sänger einzusteigen. Dieser zögerte nicht, und damit war die erste Fennymore-Besetzung komplett (der Bandname leitet sich von James Fenimore Cooper, dem Autor des „Leberstrumpf“, ab). Die drei genannten Musiker sind auch heute noch aktiv und liefern, 45 Jahre nach der Bandgründung und einigen Umbesetzungen in den 1980ern, bei uns im Rave Up am Samstag, dem 18. September 2021, um 16 Uhr eine kleine Werkschau.

 

FENNYMORE – BAD RELATIONS  LP

Die Tiroler Rockband Fennymore war in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren für ihre musikalische Kreativität und extravagante Bühnenshow einigermaßen bekannt. Ihre 1980 aufgenommene LP „Bad Relations“, die damals fertig produziert und auf ein einziges Probeexemplar gepresst wegen der Auflösung der Band nie erschien, wurde nun nach über vierzig Jahren als Vinylalbum von ihnen neu herausgebracht. Fennymore bestanden damals aus den Musikern Klaus Egger (git), Werner Kluibenschüdl (dr), Wilfried Mayr (bg), Hannes Sprenger (voc, sax) und Markus Weiler (key). Mit dieser Platte ist nun auch dieses interessante Phänomen der Tiroler Musikgeschichte dokumentiert worden. Die Platte ist bei Rave Up Records in der Hofmühlgasse 1 zu erwerben.

 

LOW – HEY WHAT  LP/CD

Low schien von Anfang an eine einzigartige Band zu sein. Dabei handelte es sich um ein verheiratetes, praktizierendes Mormonenpaar, das es sich zur Aufgabe gemacht hatte, so leise und langsam wie möglich zu spielen. Tatsächlich ragte Low so sehr heraus, dass man sich verpflichtet fühlte, ein neues Subgenre der Grunge-Szene der frühen 1990er Jahre zu erfinden, um zu beschreiben, was sie taten: Slowcore. Doch dieses Label sagte der Band so gar nicht zu. Und es zeigte sich, dass sie sich mit ziemlicher Geschwindigkeit bewegen konnten, wenn es ihnen passte. Das erste, was man auf dem Opener „White Horses“ hört, ist eine Gitarre, die sich in eine Art wogendes, stotterndes Stöhnen verwandelt, gefolgt von einem Rhythmus-Track aus knirschender digitaler Verzerrung. Letzterer Sound könnte einst von einer Gitarre erzeugt worden sein, aber mit Sicherheit kann man das nicht sagen. Der Song endet mit eineinhalb schmucklosen Minuten seines unerschrockenen Pulses, der sich beschleunigt und zur Grundlage des zweiten Tracks, „I Can Wait“, wird. „Hey What“ fühlt sich wie eine Art Verschnaufpause an, bevor man in die zunehmend geißelnde Klangwelt von „Disappearing“ eintaucht. „Hey What“ weist eindrucksvoll darauf hin, welche großen Qualitäten die Musik von My Bloody Valentine bis Low einst hatte.

 

LOS LOBOS – NATIVE SONS  LP/CD

In zwei Jahren werden Los Lobos als Band erstaunliche fünfzig Jahre alt sein, mit unglaublichen siebzehn Alben zwischen 1978 und 2021, ganz zu schweigen von unzähligen anderen Auftritten, darunter Dutzende von Coverversionen und eine Menge Tribute-Aufnahmen (z. B. Fats Domino, Richard Thompson und Grateful Dead). Nur wenige Bands können so mühelos zwischen den Genres hin- und herspringen. Auf „Native Sons“ bringen sie ihre neueste Hommage an einen Ort, kehren dabei an ihre Ursprünge zurück, als East L.A. Stablemates mit dem rohen Rock’n’Roll der Blasters (Steve Berlin schaffte es, eine Zeitlang in beiden Bands zu sein). „Flat Top Joint“, ein Song von Dave Alvin, ist ein weiterer Song mit einem Jump-Jive-Feeling, der hier jedoch etwas weniger frech wirkt. Was gut dazu passt. Genau wie der Albumabschluss „Where Lovers Go“, ein nächtlicher Tanzflächenfüller alter, aneinander gelehnter Paare. Als kämen die Shadows irgendwie aus Tijuana, beendet diese Nummer auf glorreiche Art und Weise dieses ausgezeichnete Album. Die Zuneigung der Band zu den Originalversionen ist offensichtlich, ihre interpretatorischen Verbeugungen weisen dabei aber gerade genug musikalische Eigenständigkeit auf.

 

MANIC STREET PREACHERS – THE ULTRA VIVID LAMENT  LP/CD

Dass die Manic Street Preachers nicht unbedingt zu den absoluten Lieblingsbands unserer Kunden gehören, dürfte auf der Hand liegen. Doch einige Zeilen hat das neue Album der Alternative-Rocker, „The Ultra Vivid Lament“, schon verdient, denn schließlich gilt auch für Hardcore und Punk-Rock „Donʼt forget your roots“. Und wer weiß, welche modernen Bands sich ihre Inspiration bei den Walisern geholt haben. Das gilt nicht für eines der ersten Highlights der Platte, das durch Gastsängerin Julia Cumming (Sunflower Beau) perfekt ergänzte „The Secret He Had Missed“, aber umso mehr für Songs wie „Quest For Ancient Colour“ oder – ungeachtet des überragenden Gitarrensolos – „Diapause“. Dass man vielen Songs die Entstehungsgeschichte anmerkt, schmälert deren Qualität übrigens in keiner Weise. Denn die melancholische Gesamtstimmung kommt gerade auf diese Art und Weise besonders überzeugend bei den Hörerinnen und Hörern an. Durch die gewohnt starken und eingängigen Refrains bleiben die Songs darüber hinaus auch leicht im Ohr. Nicht weniger melancholisch, aber aufgrund der Songstruktur und vor allem aufgrund des Features mit Ex-Screaming Trees-Sänger Mark Lanegan doch herausstechend ist „Blank Diary Entry“, was dem Album insgesamt sehr gut tut. Das gilt auch für den letzten Track, „Afterending“, der in Sachen Verträumtheit und Melancholie noch einmal ein Ausrufezeichen setzt und die Stimmung des Albums noch einmal einfängt und zusammenfasst. Da muss man schon aufpassen, am Ende des Songs vor lauter Träumerei den Klick auf die Repeat-Taste nicht zu vergessen.

 

5K HD – CREATION EATS CREATOR  LP/CD

Für 5K HD, die seit ihrer Gründung dem Experiment nie abgeneigt sind, bedeutet „Creation Eats Creator“ zurück zu den Wurzeln, die gar keine sind. Denn akustisch habe es das Quintett nie gegeben, erklärt Frontfrau Mira Lu Kovacs vor Kurzem im Interview. „Man reduziert sich, wodurch es spannend wird. Wir gehen damit aber eigentlich eher vorwärts“, ergänzt Bassist Manu Mayr. Und meint damit wohl auch, dass die Kompositionen sich weitgehend von der ursprünglichen Ausrichtung der Formation abgekoppelt haben – die Band frisst sich selbst auf und lässt gleichzeitig daraus Neues entstehen. 5K HD, die für die Kreation ihres computerlosen elektronischen Sounds x-fach international preisgekrönt wurden, die wider Erwarten alles auf ihren Instrumenten gespielt, aber bis ins Unkenntliche verfremdet, verzerrt, durch Schaltkreise geschickt und mit Effekten versehen haben, sodass am Ende niemand mehr wusste, von wem jetzt eigentlich welcher Klang erzeugt worden war, veröffentlichen jetzt mit „Creation Eats Creator“ ein rein akustisches Album. 5K HD öffnen damit eine Tür, die den Begriff unplugged in eine andere Dimension abheben lässt.

 

JAMES MCMURTRY – THE HORSES AND THE HOUNDS  LP/CD

Manche lieben es, nur groß darüber zu sprechen, die Welt durch Musik zu verändern, und manche sind damit beschäftigt. Während viele der modernen Americana der Meinung sind, man könne der Macht die Wahrheit ins Gesicht schleudern, indem man jeden, mit dem man eine mittelstarke Meinungsverschiedenheit auf Twitter hat, gleich als Rassisten bezeichnet und seine Songs mit hohlen und transparenten Plattitüden sättigt, hat sich James McMurtry seit über 30 Jahren in die Herzen und Köpfe gesungen. indem er die Kraft von Liedern, Geschichten und Charakteren benützt, um dem Hörer zu ermöglichen, in die Haut eines anderen zu schlüpfen, und seine Perspektive auf das Leben zu erweitern. McMurtrys letztes Album „Complicated Game“ von 2015 wurde an dieser Stelle zur Platte des Jahres gekürt. Es ist eher unwahrscheinlich, dass „The Horses and the Hounds“ das ebenso gelingt? Aber es ist eines der unterhaltsamsten und damit vielleicht zugänglichsten Alben in McMurtrys Karriere. Wenn der Folkrocker darauf aus war, das Gaspedal durchzudrücken und den alten Mann nicht hereinzulassen, während er in den Songwriting-Graben die Drei-Jahres-Marke überschritt, erreicht er dies sicherlich bei „The Horses and the Hounds“.

 

GOD DAMN – RAW COWARD  LP/CD

Das Quartett aus Wolverhampton God Damn ist seit einem Jahrzehnt im lobenswerten Geschäft der Noise-Rock-Produktion tätig – eine Tatsache, die schon darauf hindeutet, dass „Raw Coward“, ihre vierte Platte, nun etwas Sanftes für den noch immer lauten Rahmen bietet. Schließlich ist es nicht einfach, über einen so langen Zeitraum die Energie zu halten, um stets ein klangliches Feuerwerk zu entfachen. Tatsächlich repräsentiert dieses Set zum Guten oder zum Schlechten mehr von einem der hartnäckigsten Aggro-Heavy-Acts Großbritanniens, die jenseits des reinen Metals existieren. Verpackt in einer Standardbreite, ohne Gatefold-Sleeve, ist „Raw Cowards“ Präsentation ziemlich typisch für eine moderne Vinyl-Veröffentlichung zum Standardpreis, aber sie ist auch vollkommen ausreichend. Die Hülle wurde aus robustem Karton gefertigt, der ihren Zweck erfüllt, und erfreulicherweise auch mit einer strukturierten Oberfläche versehen. Die Platte ist in generischem, nicht polyliniertem Papier eingehüllt. Ebenfalls enthalten ist eine doppelseitig ausklappbare Postereinlage, die sicherlich eine rücksichtsvolle Einbeziehung ist. Diejenigen, die eine Vorliebe für bombastisches Riffing und Fuzz-durchtränkte Sonic Attack haben, werden wahrscheinlich gut auf God Damns bevorzugte Art von auditivem Schwung reagieren, und mit „Raw Coward“ haben sie ein so hervorstechendes Beispiel ihres menschenfeindlichen Dance-Punks produziert, wie es von dieser Band noch keiner gehört hat.

 

… und das gefällt uns auch noch:

Pere Ubu – St. Arkansas  LP

Pere Ubu – Pennsylvania  LP

Rdeca Raketa – … and cannot reach the silence  LP

Kontrapunk – A Motion Picture  LP

Juleah - Stoked On Planet Summer  LP

Little Hole Filled – And The Ants Still March On  LP

Tonfabrik – Tonfabrik  LP

The Shea – Disappear  LP

 

… dazu noch Konzertempfehlungen für die nächsten zwei Wochen:

 

Sa., 18.09.                  Plattenpräsentation: Fennymore – Bad Relations

                                   Rave Up Records, 6, Wien, Hofmühlgasse1

 

Do., 23.09.                 Spiral Drive & My Friends Peter Mini Open

                                   Arena, Wien, 3., Baumgasse 80

 

So., 26.09.                  Josef van Wissem, Support: B. Fleischmann

                                   Fluc Wanne, Wien, 2., Praterstern 5

 

Mi., 29.09.                  Synesthetic Ivo LP Release „Live at KallmanBoom“

                                   Rhiz, Wien 8. U-Bahnbogen 37

 

Do., 30.09.                 Portobello Express

                                   Chelsea, Wien, 8., U-Bahnbögen 29-30

 

 

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