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Liebe Freundinnen und Freunde und Music Lover, werte Stammkundschaft,  

 

Stanley Kubrick ist ein wahrer Meister auch im Einsatz von Musik als künstlerisches Mittel. Man erinnere sich nur an die grandiose barocke Klangwelt in „Barry Lyndon“, die die Bildmächtigkeit dieses leuchtenden Filmgemäldes noch verstärkt. Oder wenn in „Shining“ sich das Grauen zuallererst über das Ohr ankündigt, wodurch die Szenen noch unheimlicher erscheinen. Mehr an Effekt geht nicht. Heute hingegen, wo eine ausgereizte Kulturindustrie immerzu auf noch mehr Technik setzt, würde es sich zumindest anbieten, so manches Gruselfilmchen mit dem Punk von Nasti zu unterlegen. Auch wenn dabei niemand mehr aus dem Kino rennen würde. Unbeirrt von diesem platten, auf Konsumierbarkeit ausgerichteten Horror präsentieren wir unsere düster angehauchten Novembervorschläge.

 

LUCIFER – LUCIFER IV  LP/CD

Für Lucifer ist der Spuk ein dauerhaftes Phänomen, nicht nur an Halloween. Sechs Jahre nun schon, seit sie aus der Asche der ähnlich gesinnten, aber kurzlebigen Formation The Oath auftauchte, verschreibt sich Bandleaderin Johanna Sadonis der effektvollen Mischung von klassischem Sixties-Rock ʼnʼ Roll und düster-manisch klingendem Horror. Tatsächlich ist „IV“ wahrscheinlich das Beste, was Luzifer bis heute hervorgebracht hat. Von seinen drei Vorgängern unterscheidet es sich musikalisch zunächst nicht so sehr, Retro-Riffs durch Retro-Amps gespielt, hexenhafte Vibes, seltsam cooler, singender Vampir. Auf „IV“ zeigt sich Lucifer aufregend wie immer – nur noch besser. Auf diesem ästhetischen Feld – einem okkulten Symbol, einem alten Filmstandbild und einem Abstecher in den Secondhand-Laden für Klamotten mit großen Kragen – findet sich eine starke, selbstbewusste Persönlichkeit eigentlich eher selten. Und genauso gute Melodien. Herrlich teuflisch!

 

NASTI – LIFE IS NASTI  LP

Seit wir das letzte Mal von den Punker-Partyzerstörern aus Olympia, Washington D.C., gehört haben, wurde ein Personalwechsel vollzogen und wurden relativ unbemerkt ein paar limitierte Kassetten veröffentlicht. Aber am wichtigsten ist, dass sie sich endlich als konzentrierte Kraft der Zerstörung verfestigt haben, die darauf aus ist, alle vorgefassten Meinungen zu zerstören, was „Hardcore“ sein soll. Seien Sie versichert, dass die tiefe Verachtung und Macht immer noch vorhanden sind, aber Nasti hat sich für einen Weg entschieden und stapft kühn vorwärts. Die Band hat den Lärm und die Verwirrung um eine oder gar fünf Stufen erhöht, ohne dabei die Wut zu opfern. Verdammt, das ist gemein. Das Leben ist gemein. Das Leben ist Nasti.

 

MASTODON – HUSHED AND GRIM  LP/CD

Unter der Oberfläche von Mastodon liegt so oft eine Last der Traurigkeit. So oft das Quartett aus Atlanta mit seinen Liedern Geschichten von Moby Dick, Dinosauriern, seltsamen Ereignissen und abgefahrenen Visionen erzählte, wurde mit ihnen auch etwas viel Realeres untergründig mitgeteilt. „Crack The Skye“ befasste sich mit dem Tod der Schwester von Schlagzeuger Brann Dailor, während „The Hunter“ eine Hommage an den Bruder des Gitarristen Brent Hinds war. Ihr letztes Album, „Emperor Of Sand“, war geprägt vom Kampf der Frau des Bassisten Troy Sanders gegen den Krebs, von dem sie sich inzwischen glücklicherweise erholt hat, der sich aber dennoch bemerkbar machte. „Hushed And Grim“ ist der Triumph einer Band, die seit langem das letzte Wort spricht in Bezug auf das Gleichgewicht zwischen Intelligentem und Ursprünglichem. Aber wenn man weiß, was darin steckt, was verarbeitet wird und welche Emotionen geteilt werden, gibt es hier eine Tiefe und Schönheit, die selbst nach Mastodons Maßstäben etwas anderes ist. Mit solch Sinn und Zweck ist es schöpferisch und emotional übervoll, ein Gefäß, in das so viel Menschlichkeit nackt gegossen wurde. Und wenn sich ein Künstler dabei in jedem Punkt selbst übertrifft und sich ganz und gar entfalten kann, gibt es keine schönere Hommage.

 

FLETCHER TUCKER – UNLIT TRAIL  LP

Mit dem Nachfolgealbum von „Cold Spring“ (2017) zeigt sich Fletcher Tucker wieder als spiritueller Mythologe seiner Heimat Big Sur, Kalifornien. Obwohl in Schweden (!) aufgenommen, liefert der legendäre Küstenstreifen die tiefe Inspiration für die ausladenden Klanglandschaften, die von Tuckers Harmonium und dunklem Bariton gestaltet werden. Dazu thematisiert auch „Until Trail“ eindringlich, quasi als ideeller Überbau, ohne dabei naiv zu wirken, das längst aus den Fugen geratene Verhältnis Mensch und Natur.

 

MALARIA! – COMPILED 2.0 (REMASTERED + EXPANDED REISSUE)  2 LP

Januar 1981 machten Gudrun Gut und Bettina Koster in Christopher Frankes Berlin-Spandauer Studio ihre ersten Aufnahmen als Malaria! Christine Hahn von The Static mit Glenn Branca und Barbara Ess aus New York und Manon P. Duursma, frisch von Nina Hagens O.U.T.-Projekt, sowie Susanne Kuhnke komplettierten das Line-Up. Malaria! begannen kurz nach der Veröffentlichung ihrer 12" intensiv zu touren, zuerst im Rahmen eines Konzertabends mit New Order im Ancienne Belgique in Brüssel, und von dort aus bei so unterschiedlichen Acts wie Siouxsie and the Banshees, Birthday Party, The Slits, The AuPairs, Raincoats, Nina Hagen, John Cale und Einstürzende Neubauten. In den Londoner BBC-Studios in London wurde sogar eine John Peel Session aufgenommen. 1984 machten Malaria! dann eine Pause – Koster und Hahn zogen nach New York, Gut und Duursma blieben in Berlin, um mit Beate Bartel Matador zu gründen. Das alles geschah aber nicht, bevor sie ihr Minialbum „Beat The Distance“ (1985) aufgenommen hatten. 1992 trafen sich die vier in New Orleans mit Jim Thirlwell (Foetus), um „Elation“ einzuspielen. Es folgte das wunderbare „Cheerio“ (1993), das wiederum in Berlin aufgenommen wurde. Gründe also genug, sich dieser großartigen Band zu erinnern!

 

SPERMA – S/T  LP

Brillante Archiv-Neuauflage der Züri-Punk s/t 12" EP aus den späten 1970ern von Sperma. Die Platte nimmt sich wie ein Vergrößerungsglas aus, über die Schweiz hinaus, als Punk international wirklich bahnbrechend war. Von der gebrochenen „I Hope this works“-Melodie von „No More Love“ bis zur lehrbuchmäßigen Verachtung des Mainstreams, wie es in „Radio“ köstlich vorgeführt wird. Alle drei Tracks sind geprägt vom fröhlichen Aufflackern einer Mitsingmelodie, gemischt mit geistloser und perfekt unentwickelter Rock ʼnʼ Roll-Aggression. Die ein wenig zu sauber und leise klingenden Gitarren, die in hämmernden Drums und lauten Bässen gekocht werden, lassen erkennen, wie man bei der Aufnahmesession mit einem in der Punkpneumatik unerfahrenen Ingenieur wohl zu kämpfen hatte. Egal, die Magie ist da und die Songs sind da. Diese neue Ausgabe enthält dazu ein wunderschönes gedrucktes zwanzigseitiges Booklet mit unbekannten Fotos und Flyern.

 

ASH RA TEMPEL – SCHWINGUNGEN  LP

„Schwingungen“ klingt merklich anders als Ash Ra Tempels Debüt allein schon wegen der Präsenz des Gesangs. Dazu verließ Klaus Schulze die Band, um seiner Solokarriere nachzugehen. Auf dieser Platte neu dabei ist Schlagzeuger Wolfgang Müller, dazu kommen natürlich Gitarrist Manuel Göttsching und Bassist Hartmut Enke. Und als Sänger wählten sie einen Mann namens John L. aus, der zuvor bei Agitation Free war. Dessen Stimme neigte dazu, hart zu sein, und er klang auch immer etwas „schräg“. Das Album beginnt mit dem eher bluesigen „Look at Your Sun“, dann das vom intensiven Rhythmus von Gitarre und Schlagzeug getragene „Flowers Must Die“, bei dem John L. sein Organ lautstark unter Beweis stellt. Auf jeden Fall Party-Clearing-Musik, um es gelinde auszudrücken. Die zweite Hälfte des Albums besteht aus „Suche“ und „Liebe“. Ersteres ist ein eher unheimliches, spaciges Stück, das hauptsächlich aus Vibraphon und Orgel besteht. Letzteres ist mehr Gitarre und Stimme (diesmal von Göttsching) und klingt wie eine Mischung aus Pink Floyd und Ash Ra Tempels Erstling. Ein tolles Album, so man sich mal an den Gesang gewöhnt hat.

 

THE CLEAN – BOODLE BOODLE BOODLE  EP

Zweifellos eine der beständigsten Bands der Dunedin-Sound-Ära, debütierten The Clean 1981 mit der EP „Boodle Boodle Boodle“, die einfach eine Bestätigung der Kühnheit und des Einfallsreichtums der Neuseeländer ist. Aufgenommen mit einem Budget von 700 US-Dollar im Schlafzimmer von Chris Knox, enthält diese 5-Track-Veröffentlichung einige der wichtigsten, ausgelassensten Lo-Fi-Rock-basierten Songs, die man je gehört hat. Die drei Tracks auf der A-Seite sind allesamt charakteristische Ausstellungsstücke des Flying Nun-Labels, wie „Billy Two“, das an die peppigeren Post-Punk-Werke der Ära zu erinnern scheint, aber mit einem reduzierten, harten Rock in einer Qualität, die einfach nicht nachlässt. Einer der bekannteren Songs der Band, „Anything Could Happen“, enthält ein paar typische Passagen klirrender Gitarre, gepaart mit grandioser, hämmernder Bass- und Schlagzeugarbeit sowie der eindrücklichen Gesangsdarbietung von Leadsänger David Kilgour. Das wahre Juwel hier ist jedoch der letzte Song auf der B-Seite, „Point That Thing Somewhere Else“. Diese fünfminütige Tour de Force enthält ein phänomenales, gleitendes Lo-Fi-Gitarrenriff, das Elemente von Dick Dales klassischem Surfsound einzubringen scheint. Man kommt nicht umhin zu fühlen, dass die Seele dieses Tracks irgendwo in die 1990er Jahre gehört, aber das macht es auch einfacher, den Einfluss von The Clean auf spätere internationale Acts zu verstehen, insbesondere Pavement und Yo La Tengo.

 

… und das gefällt uns auch noch:

Various – All The Way With Spencer P. Jones  LP

Hiss Golden Messenger – O Come All Ye Faithul  LP/CD

Radiohead – Kid A Mnesia  LP

Curtis Harding – If Words Were Flowers  LP

Joan as Police Woman & Tony Allen & Dave Okumu – The Solution Is Restless  2 LP

Sault – Nine  EP/CD

Sault – 5  EP/CD

Sault – 7  EP/CD

Sault – Untitled (Black Is)  LP/CD

Sault – Untitled (Rise)  LP/CD

Cleo Sol – Rose In The Dark  LP/CD

Clarence Wolof & The Passengers – Island Sessions  2 LP/CD

Deadbolt – Shrunken Head  LP

 

… dazu noch Konzertempfehlungen für die nächsten zwei Wochen:

 

Di., 10.-25.11.               35 JAHRE CHELSEA:
                                    TV SMITH (UK)                                                                                      

                                    BULBUL
                                    FRANZ FUEXE
                                    HONIGDACHS LABELNIGHT: FATE / KIZMET + MD
KARDINATOR
                                    PETRA UND DER WOLF / BOSNA
                                    AUSTROFRED
                                    ATTWENGER
                                    BAITS / CURB
                                    THE CLASHINISTAS
                                    HECKSPOILER / VULVARINE
                                    SKERO & BUMBUMKUNST
:                                    AEXATTACK / MANIC YOUTH
                                    CLARA LUZIA

                                    Chelsea, Wien, 8., U-Bahnbögen 29-30

 

Ja, da war noch was! Auch wir feiern Geburtstag und zwar unseren 34. Dazu laden wir und Intimspray euch herzlichst ins Rave Up ein. Es gibt wie immer was zu trinken und auf unser ganzes Sortiment 10 %.

Sa., 13.11.                   Geburtstagsparty & InstoreGig Intimspray

                                  Rave Up Records, 6., Wien, Hofmühlgasse 1

 

Do., 18.11.                  InstoreGig Fuzzman

                                  Rave Up Records, 6., Wien, Hofmühlgasse 1

 

So., 21.11.                  Lucifer (D/S) + Dead Lord (S)

                                 Arena, Wien, 3., Baumgasse 80

 

Fr., 26.11.                  RSD – Black Friday

                                 Rave Up Records, 6., Wien, Hofmühlgasse 1

 

 

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