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Liebe Dum Dum Boys … and Girls,

 

wo Iggy the Idiot vom Rand des Abgrunds zurückkehrt, um all jenen, die gerade hinabsehen, eine leuchtende Zukunft zu weisen. Die Doctors entdecken, wohin sich Ratten zum Sterben zurückziehen, Rikki and the Last Days of Earth kümmern sich um das Ende der Welt, und in der Dunkelheit der Nacht entsteht eine Bewegung …

 

… und nicht zu vergessen unsere Empfehlungen für den Start in einen hoffentlich ereignisreichen Sommer.

 

V.A. – REALLY BAD MUSIC FOR REALLY BAD PEOPLE: THE CRAMPS AS HEARD THROUGH THE

MEAT GRINDER OF THREE ONE G  LP

Wenn wir noch was von den New Yorker Garagenpunks gelernt haben: Die Bassdrum ist für die Hüfte, die Snare für die Faust – so läuft das im Rock’n’Roll. Wie dieser ohne Lux Interior und Poison Ivy klingen würde, möchte man gar nicht wissen. Spätestens als die beiden 1977 in „Human Fly“ die dreckigste Snare der Welt raushauten, hatte diese Kunst eine Richtgröße. Nun liegt der Witz darin, das Œuvre der Cramps neu zu interpretieren, und gewiss nicht ihren abgefuckten Minimalismus nachzuturnen. Eher im Gegenteil: Gefahr, Chaos, Schweiß und abgefahrener, dreckiger Scheiß – The Cramps sind die Essenz des Rock’n’Roll. Unzerstörbar sind sie auch, ein Hit ist ein Hit und im allerbesten Fall eben: unzerstörbar.

 

Chelsea Wolfe - Sheena's in a Goth Gang

Retox - Garbageman

 

CARLA DIRATZ & PASCAL VAUCEL – pRéCis.AiMaNt  LP

In jeder Hinsicht ausgezeichnet ist dieses Album. Gitarristen und „Psychedelicatessan“-Besitzer nehmen das zur Kenntnis, Vokalliebhaber und neue elektronische Musikfans hören zu! Ich bin froh, darüber zu sprechen, und ich schlage vor, dass Sie sich darauf ganz einlassen! Jeder Track hat seine eigene Sensibilität, jede Minute hat eine bestimmte Unmittelbarkeit. Carlas Vocals sind absolut tabula rasa, originell, ganz sie selbst, schwül-klug, musikalisch gebeugt und über den Klanghimmel gedreht, den wir gerne sehen. Pascal ist ein Wirbelwind in der magischen Lampe eines nachdenklichen Geistes. Es ist Musik, die man nicht ignorieren kann, avantgardistisch im wörtlichen Sinne, sehr menschlich, sehr scharfkantig und dennoch feingliedrig. Am Horizont der heutigen Musik ist pRéCis.AiMaNt der Morgenstern, ein lichttragendes Signal, das aus der Vergangenheit kommt und vielleicht einen zukünftigen Tagesanbruch signalisiert?

Wenn man einen Grund sucht, in diesem schönen Album ein Echo jenes legendären „Canterbury-Sounds“ zu vernehmen, dann ist es natürlich Robert Wyatts „Sea Song“, der anscheinend zur Genehmigung an den Autor geschickt und in Pik erhalten wurde. Es ist an sich mutig, ein Stück in Angriff zu nehmen, das fast der heilige Gral der „Canterbury“-Tracks ist, und während es die Unthanks (wunderschön) Tim Hawthorn (treu) und die University of Errors (authentisch) versucht haben, ist die Diratz/Vaucel-Version weniger diplomatisch: Kiesstimme und herzliche Übergabe lassen die Knochen ein wenig kalt, und die gestreute Coda, die für mich in ihrer ursprünglichen Form vielleicht die schönsten zwei Minuten in der Musikgeschichte sind, wird hier mit einem Hauch von Bedrohung aufgeführt. Es ist eine einzigartige Neuinterpretation und funktioniert deshalb gut.

 

Carla Diratz and Pascal Vaucel - Septentrional

 

EL MICHELS AFFAIR – ADULT THEMES  LP/CD

Das Musikkollektiv um Multiinstrumentalisten und Komponisten Leon Michels hat uns vor über zehn Jahren mit seiner Wu Tang Clan-Interpretation „Enter The 37th Chamber“ begeistert. Danach haben die Musiker für Acts wie Black Keys, Lana Del Rey, Dr. John und natürlich Sharon Jones & Charles Bradley gespielt. Leon Michels selbst hat zwei Labels gegründet, Big Crown und Truth & Soul, und ist einer der umtriebigsten Soulisten des Planeten. Seine Affair hat er jedoch dabei nie vernachlässigt und für einen Topsound gesorgt. Diese besondere Mischung aus Soundtrack, Funky Jazz und klassischem Soul überzeugt vom ersten Ton an. Da kann es gar nicht genug „Adult Themes“ geben. Big up!

 

El Michels Affair - Adult Themes

El Michels Affair - Enter The 37th Chamber

 

MATT ELLIOTT – FAREWELL TO ALL WE KNOW  LP/CD

Der Mann aus Bristol spielt in seiner eigenen Liga. Zwischen Elektronik, Avantgarde und Singer-Songwriting legt er atmosphärische Höhenflüge hin. Sein Projekt Third Eye Foundation war seiner Zeit weit voraus und ist es wahrscheinlich heute, 27 Jahre nach der Erstveröffentlichung, noch immer. Als Matt Elliott spielt er zu seinem eindringlichen Gesang Gitarre. Vom ersten Ton an schafft er es, in seine Welt zu verführen. Und die ist keine schöngefärbte grüne Wiese, sondern ein brüchiges Gerüst voller Zweifel, aber mit einem Hauch von Hoffnung.

 

 

Matt Elliott - The Day After That

Matt Elliott - The Worst is Over

 

ROLLING BLACKOUTS COASTAL FEVER – SIDEWAYS TO NEW ITALY  LP/CD

Eine der heißesten Gitarrenbands ist die australische Gruppe Rolling Blackouts Coastal Fever. Nun melden sie sich mit ihrem zweiten Album, zwei Jahre nach ihrem Debüt, wieder. Dabei scheinen sie das Mantra „Wenn es nicht wirklich kaputt ist, repariere es nicht“ übernommen zu haben, denn es ist nicht viel anders als sein Vorgänger. Es platzt aus den Fallen mit dem poppigen „The Second Of The First“. Dieses Lied macht alles, was Sie wollen, mit Gitarren-Licks an den richtigen Stellen. Im Anschluss daran ist „Falling Thunder“ voller sommerlicher Wohlfühl-Vibes mit sanften, beruhigenden Vocals, die das Gitarrenspiel der Band ergänzen. Es ist ein Album voller sengender Gitarrenarbeit, besonders in den Outros von „Sheʼs She“ und „Cameo“, um nur zwei zu nennen. Auf dem gesamten Album gibt es erhebende Momente, aber die frechen Hörner von „Cars In Space“ sind besonders zu erwähnen. Und wenn Sie eine Verschnaufpause brauchen, lassen Sie ihren Sound direkt bei „Sunglasses At The Wedding“ ausklingen.

 

Rolling Blackouts Coastal Fever - She's There

Rolling Blackouts Coastal Fever - Cars In Space

 

DOUGLAS LINTON & THE PLAN Bs – GLORYLAND  CD

„Since Youʼve Been Gone“, die aktuelle Single aus dem gerade erschienenen Album „Gloryland“ von Douglas Linton & The Plan Bs, fügt sich ungewollt treffend in die Corona-Zeit ein. Wann wird es ein Wiedersehen geben? Die Musik der Band schöpft tief aus dem stilistischen Melting Pot, der für den Süden der USA so charakteristisch ist. Dort, irgendwo am Golf von Mexiko, scheint ihre Heimat verortbar zu sein, ob in einer kubanischen Bar in Miami oder einem Roadhouse in East Texas, ob in Begleitung einer fahrenden Freak-Show oder eines kauzigen Erweckungspredigers. Vom Jump Blues über Honky Tonk und Southern Soul zum vom karibischen Wind nordwärts getragenen „Since You’ve Been Gone“ – die Musik bleibt ihren Quellen treu und klingt dennoch frisch.

 

Douglas Linton & The PlanBs - Since You’ve Been Gone

Douglas Linton & The PlanBs - Train to Jordan

 

… und das gefällt uns auch noch:

Caleb Landry Jones – The Mother Stone (Sacred Bones)  2 LP/CD

Cold Meat ‎– Hot and Flustered  LP

Black Rainbows – Cosmic Ritual Supertrip (Heavy Psych)  LP

Hathors – Grief, Roses & Gasoline  LP/CD

Coogans Bluff – Metronolis  LPs/CD

The Pop Group – Alien Blood  LP

The Pop Group – Y Live  LP

Pere Ubu ‎– By Order Of Mayor Pwlicki Live  2 LPs/CD

Singapore Sling – Killer Classics  LP

Fra Fra – Funeral Songs  LP/CD

 

Was wir am meisten vermissen:

 

 

LSD-Trip in ferne Vergangenheit...

Es war im Mai 1989 in einem kleinen Osttiroler Dorf – eine erste Begegnung mit Untoten. Damals zog ich mit Freunden aus Matrei und Stuttgart einfach so herum. Dabei machte ich nähere Bekanntschaft mit einem der Mädchen, das mich in die faszinierende Gruftie-Welt entführte. Für mich, einem bodenständigen Bauernburschen aus einem streng katholischen Land, bedeutete das Aussehen wie auch die Denkweise des Mädchens etwas Exotisches. Meistens verbrachten wir die Nächte auf dem Friedhof, bis uns der Messner immer des Morgens davonjagte. In dieser Zeit hörte ich ständig eine von ihm eigens zusammengestellte Musikkassette.

 

Am 18. Mai 1989, ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen, machten wir uns voller Vorfreude zeitig in der Früh auf den Weg nach Stuttgart. Dort sollten am Abend The Cure in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle auftreten. In Stuttgart angekommen, hieß es schnell noch Karten besorgen und ab zum Konzert. Es folgte ein musikalisch fantastischer Abend. Auf der Rückfahrt legte ich wieder jene Mixkassette ein und hörte zum xten Male Songs von Talk Talk, The Housemartins, Tuxedomoon, Siglo XX, Thompson Twins, Bauhaus – und einige Nummern der Legendary Pink Dots: das wurde trotz dieses wunderbaren Konzerts erst zum wahren Erweckungserlebnis.

 

In den letzten Jahren habe ich diese großartige Band etwas aus den Augen verloren. Die Gruppe um die Masterminds Edward Ka-Spel und The Silverman machte in all dieser Zeit musikalisch und personell unglaublich viele Wandlungen durch und blieb sich doch immer treu. Nicht, dass sie jemals wirklich weg gewesen wären. Aber nun sind sie wieder voll da. Dass die Legendary Pink Dots stets zu meinen absoluten Lieblingsbands gehörten, dürfte jeder wissen, der mich schon etwas länger kennt. Ich sage mal so: Meine Prägung, was anspruchsvollere Musik angeht, habe ich von The Cure erhalten. Doch ihre Tage waren, als ich sie richtig kennen lernte (mit „Mixed Up“), quasi schon gezählt. Mein Interesse für durchaus experimentellere Musik erweckten dann ausgerechnet Talk Talk, die ich zuerst als Popband wahrgenommen hatte, und die mich in ihrer Entwicklung weiter beeinflussten.

 

Die Legendary Pink Dots kamen dann genau zu rechten Zeit und öffneten meinen musikalischen Horizont noch viel weiter. Und das Wichtigste dabei: Sie wurden für mich seit diesem besonderen Mai des Jahres 1989 zu einem stets anregenden Begleiter.

 

Replugged 16. Februar 2020. Eines gleich vorweg: Die Kreativität der Legendary Pink Dots ist ungebrochen, ja, sie hat weitere Facetten hinzugewonnen. In ihren zahlreichen Konzerten haben sich die eher songorientierten Popperlen heute zu ausschweifenden Erkundungen in elektronische Musikwelten gewandelt. Die Highlights des Februarabends in Wien waren Stücke aus den Alben „Chemical Playschool 16“ und „18“ Musik zum Entdecken und darin Versinken, doch ohne jenen, ein wenig naiven Popappeal, der die Dots bei allen Experimenten immer auch auszeichnete. Und just in dem Moment, in dem ich mich mit ihrem neuen, fast kontemplativen Sound abfinden wollte, bliesen sie mich mit „Mirror Mirror“ wieder einmal einfach weg.

 

Hier unsere Empfehlungen aus der Diskographie des Masterminds Edward Ka-Spel:

 

The Legendary Pink Dots – Princess Coldheart (EP)

The Legendary Pink Dots – Come Out From The Shadows II (2LP)

The Legendary Pink Dots – 10 To The Power Of 9 (LP)

The Legendary Pink Dots – From Here You'll Watch The World Go By (2 LP)

The Legendary Pink Dots – Five Days.... Complete (2 LP)

The Legendary Pink Dots / kETvECTOR – The Shock Exchange (LP)

The Legendary Pink Dots – The Tunnel (LP)

The Legendary Pink Dots – Malachai (Shadow Weaver Pt. 2) (2 LP)

The Legendary Pink Dots – Any Day Now (2 LP)

Edward Ka-Spel – Eyes! China Doll (LP)

Edward Ka-Spel – AaΔzhyd China Doll (LP)

Edward Ka-Spel ‎– Khataclimici China Doll (LP)

 

* alle lagernd @ Rave Up Records

 

… dazu noch erste Konzertempfehlungen:

Mi., 10. 05.                 B.and Fleischmann (AUT)

Fluc, Wien, 2., Praterstern 5

Di, 09.06.                  Acoustic Tuesday

Fr., 26. 05.                  Hecknklescha (AUT)

Lobauerhof, Wien, 22., Kierischitzweg 8

Fr., 10 06                   Andreas Mittermühlner (Alpha Romeo und Die Winterreifen) (AUT)

Lobauerhof, Wien, 22., Kierischitzweg 8

Fr., 17 06.                  Alpha Romeo und Die Winterreifen (AUT)

Lobauerhof, Wien, 22., Kierischitzweg 8

Sa., 25. 06.                  Douglas Linton & The Plan Bʼs (USA)

Lobauerhof, Wien, 22., Kierischitzweg 8

Sa., 01. 07.                  Blau AG (AUT)

Lobauerhof, Wien, 22., Kierischitzweg 8

 

 

 

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