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Franz Dobler - The Beast In Me. Johnny Cash (Buch)
Franz Dobler - The Beast In Me. Johnny Cash (Buch)
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Im Vorwort erinnert sich Franz Dobler an ein Party-Erlebnis mit einer Frau, mit der er gerne "näher zu tun gehabt hätte". Nach gebührendem Smalltalk stellte sie schließlich die Vertrauensfrage nach seinen musikalischen Vorlieben. "Ziemlich viel Countrymusik", erwiderte der Autor wahrheitsgemäß -- wodurch das gerade zart geknüpfte Band jäh zerschnitten ward. Mit mitleidigem Blick trug die Dame ihr Prosecco-Glas zu einem Herrn erleseneren Geschmacks.

 

Selten hat einer so gescheit, böse und witzig über die seltsame und schöne Welt der Country-Musik geschrieben, über die, wie obiges Beispiel zeigt, selbst die Ahnungslosesten noch glauben, die Nase rümpfen zu dürfen. Zu gern hätte Dobler der unwissenden Dame erklärt, dass echte Countrymusik weder gleichzusetzen ist mit dem hiesigen Volksmusikgetümel, noch Ausdruck einer rechten Gesinnung ist. Dann hätte er ihr Johnny Cash vorgestellt, diesen düster brütenden Voodoo-Priester der verlorenen Seelen und ganz und gar ungemütlichen Opa seiner toten Enkel Sid Vicious und Kurt Cobain.

 

Der Man In Black, so der Titel seiner Autobiografie, der 1955 bei Sun Records seine erste Single aufnahm und von Elvis persönlich den Ritterschlag zum besten Songwriter erhielt, führte ein Leben auf der Überholspur, gekennzeichnet von Karriereknicks und Zusammenbrüchen, Alkohol und Drogenmissbrauch. In einer Art Umkehrung des amerikanischen Traums entstand so eine Affinität gegenüber allen Verlierern und Verdammten dieses Lebens, wie Cashs Songs und unzählige Knastauftritte beweisen.

 

Dem Produzentenwunder Rick Rubin ist es zu danken, dass Cash, der auf seinen annähernd 75 Platten nicht immer zu Höchstform auflief und fast schon abgeschrieben schien, mit seinen letzten drei Veröffentlichungen, darunter dem epochalen American III: Solitary Man, ein furioses Comeback feiern konnte. Dobler könnte bei seiner Musikfreundin späte Punkte machen, da Johnny Cash, ähnlich seinem Schicksalsgefährten Tom Waits, auf Schickeria-Partys inzwischen von Leuten zum immer schon geliebten Paradiesvogel erklärt wird. Der Country-Veteran dürfte auch das überleben.